Lehre: Weiblich. Technisch. Stark. – Tech Girls Change feiert Abschluss und zeichnet fünf Betriebe aus
Frauenstiftung Steyr, AK Oberösterreich, ÖGB, Verein FAZAT und das Netzwerk Zukunftsregion Steyr würdigen Engagement für weibliche Lehrlinge in Technikberufen – Qualitätssiegel an BMW Group Werk Steyr, BMD Systemhaus GesmbH Steyr, SKF Österreich AG, Steyr Automotive und Weber Hydraulik vergeben
Am Mittwoch, 19. November 2025, fand im TIC Steyr die feierliche Abschlussveranstaltung des Projekts Tech Girls Change statt – einer Initiative, die durch den AK-OÖ-Ausbildungsfonds ermöglicht wurde und jungen Frauen in technischen Lehrberufen eine starke Stimme gibt. Gemeinsam vergaben die Frauenstiftung Steyr, die Arbeiterkammer Oberösterreich, der ÖGB, der Verein FAZAT und das Netzwerk Zukunftsregion Steyr erstmals das TECH.GIRLS Qualitätssiegel für Chancengleichheit in technischen Lehrausbildungen.
Mut, Sichtbarkeit und echte Veränderungen – ein Abend voller Wertschätzung
Daniela Zeiner, Leiterin des Netzwerks Zukunftsregion Steyr, eröffnete den Abend mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung dieses Projekts. „Tech Girls Change zeigt, was möglich ist, wenn junge Frauen, engagierte Betriebe und starke Partnerorganisationen gemeinsam an einer Sache arbeiten“, betonte sie.
Auch Bürgermeister Markus Vogl hob hervor, wie wichtig Initiativen sind, die jungen Frauen den Zugang zu technischen Berufen erleichtern und ihnen das notwendige Selbstvertrauen geben. Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen hätten weiterhin Einfluss darauf, wie junge Frauen ihre Fähigkeiten einschätzen. „Genau hier setzt Tech Girls Change an: Das Projekt nimmt Berührungsängste, schafft Orientierung und zeigt, dass technische Berufe für alle offenstehen“, so Vogl. „Wir sind sehr stolz darauf, was die Frauenstiftung hier initiiert hat. Tech Girls Change zeigt, was möglich ist, wenn Mut, Unterstützung und die richtigen Rahmenbedingungen zusammenkommen.“
Im Anschluss dankte Klaudia Burtscher, Geschäftsführerin der Frauenstiftung Steyr und Initiatorin des Projekts, insbesondere den Lehrlingen für ihren Mut, ihre Ideen und ihren Einsatz. Die erarbeiteten Maßnahmen hätten nicht nur die Rahmenbedingungen für junge Frauen verbessert, sondern auch den teilnehmenden Unternehmen wertvolle Impulse geliefert. Ihren Dank richtete sie zudem an die Arbeiterkammer Oberösterreich, „ohne deren finanzielle und inhaltliche Unterstützung dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre“.
Sandra Jurekovic, Vizepräsidentin der AK Oberösterreich, erinnerte an die lange, oftmals unsichtbare Geschichte weiblicher Pionierinnen in der Technik. „Frauen waren immer da, aber sichtbar waren sie selten“, sagte sie. Die Auszeichnung der fünf Betriebe zeige, wie sehr gelebte Gleichstellung sowohl menschlich als auch wirtschaftlich wirke. Projekte wie Tech Girls Change machten sichtbar, wie viel sich bewege, wenn junge Frauen aktiv eingebunden werden. „Wo Unternehmen Verantwortung übernehmen, verändert sich nicht nur der Arbeitsplatz, sondern die Haltung im gesamten Betrieb.“
Jurekovic betonte, dass Betriebe, die weibliche Talente fördern, in ihre eigene Zukunft investieren. Gute Ausbildungsbedingungen und respektvolle Zusammenarbeit seien wesentliche Faktoren für stabile Teams und langfristig qualifizierte Fachkräfte. Die Lehrlinge wiederum gewännen Selbstvertrauen und wichtige berufliche Perspektiven. „Ihr seid der beste Beweis dafür, dass Veränderung gelingt, wenn man sie mutig angeht“, richtete sie an die jungen Frauen.
Ergänzend zeigte Laura Wiednig, Leiterin der Frauen- und Gleichstellungspolitik der AK OÖ, mit aktuellen Zahlen, wie stark Mädchen in technischen Lehrberufen unterrepräsentiert sind und dass der Gender Pay Gap in Oberösterreich trotz Vollzeitbeschäftigung weiterhin bei 20,2 Prozent liegt. Sie hob die große Verantwortung der Arbeitgeber:innen hervor, diskriminierungsfreie und sichere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
Zwei Jahre Tech Girls Change – was sich wirklich verändert hat
Einen umfassenden Einblick in die zweijährige Projektarbeit gaben Michaela Freimüller und Lisa Lehner von der Frauenstiftung Steyr. Insgesamt 20 junge Frauen aus fünf Betrieben – BMW Group Werk Steyr, BMD Systemhaus GesmbH Steyr, SKF Österreich AG, Steyr Automotive und Weber Hydraulik – nahmen in zwei Durchläufen teil.
In Workshops zu Kommunikation, Teamarbeit, Solidarität, Selbstwirksamkeit und Gendergerechtigkeit entwickelten die Lehrlinge konkrete Ideen, die sie anschließend in Transfer-Workshops direkt ihren Ausbilder:innen und Führungskräften präsentierten. Viele Maßnahmen wurden rasch umgesetzt – darunter weibliche Mentorinnen und Ansprechpersonen, passgenaue Arbeitskleidung, Jugendvertrauensräte mit weiblicher Vertretung, Hygieneartikel, Sportangebote und größere Spindräume. Ergänzend wurden Workshops für alle Lehrlinge eingeführt, um ein respektvolles Miteinander zu fördern.
Im Rahmen der Präsentation wurde auch das neue TECH.GIRLS Qualitätssiegel vorgestellt. Es steht für ein klares Bekenntnis zur Förderung weiblicher Talente in technischen Lehrberufen. Das Siegel ist ein deutliches Ja zur Weiterentwicklung betrieblicher Strukturen, zu geschlechtergerechten Rahmenbedingungen und zu einer Unternehmenskultur, die Werte, Vielfalt und Chancengleichheit sichtbar lebt.
Projektleiterin Michaela Freimüller fasste zusammen:
„Mit dem Projekt Tech Girls Change haben wir nicht nur Veränderungsprozesse angestoßen, sondern auch die Sichtbarkeit und das Selbstbewusstsein junger weiblicher Lehrlinge gestärkt. Gleichzeitig haben wir Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Chancengleichheit unterstützt.“ Sie betonte weiter: „Wir sind wirklich stolz auf jede einzelne Teilnehmerin und auf die fünf Unternehmen, die den Mut hatten, sich auf dieses Projekt einzulassen und engagiert an nachhaltigen Strukturen mitgearbeitet haben.“
Lisa Lehner ergänzte, dass vor allem der partizipative Ansatz wesentlich zum Erfolg beigetragen habe. Die Kombination aus Workshops für die Lehrlinge und gemeinsamen Formaten mit den Betrieben habe maßgeblich dafür gesorgt, dass aus Ideen tatsächlich nachhaltig wirksame Maßnahmen wurden.
Betriebe im Gespräch – Stimmen, die bewegen
Eine Lehrlingsteilnehmerin der BMW Group erzählte: „Wir haben gelernt, uns etwas zuzutrauen und auszusprechen, was uns wichtig ist.“ Ausbildungsverantwortlicher Leopold Tursch ergänzte, der Projektprozess habe „wie ein externes Audit“ gewirkt und neue Perspektiven eröffnet.
Für die SKF Österreich AG berichtete Dominik Wührer, wie stark die Präsentationen der Lehrlinge im Diversity-Team nachgewirkt haben. Das breit aufgestellte Team – von Management bis zur Produktion – habe deutlich gezeigt, wie rasch Veränderungen möglich werden, wenn Bedürfnisse sichtbar gemacht werden. Besonders stolz sei man, dass acht von elf Lehrlingen ihr Lehrabschlusszeugnis mit Auszeichnung erhielten – „und alle Jungfacharbeiterinnen die an Tech.Girls.Change teilgenommen haben, mit ausgezeichnetem Erfolg ihre Lehre abschließen konnten“. Sein Fazit: Er würde anderen Unternehmen klar empfehlen, mutig zu sein und ähnliche Wege zu gehen.
Die Lehrlinge von Weber Hydraulik betonten, wie wertvoll der direkte Austausch mit der Geschäftsführung für sie war und dass ihre Anregungen zum größten Teil sofort umgesetzt wurden. Ausbildner Stefan Gstöttenmayr bestätigte dies: Der von einer Teilnehmerin überarbeitete Ausbildungsplan erwies sich als derart gelungen, dass er nahezu unverändert übernommen wurde.
Bei der BMD Systemhaus GesmbH Steyr betonte Julia Kalkhofer die Bedeutung weiblicher Vorbilder im IT-Bereich, insbesondere dort, wo Frauen in Klassen oder Teams noch stark unterrepräsentiert sind.
Steyr Automotive hob hervor, dass die auf Initiative der und gemeinsam mit den teilnehmenden Lehrlingen im Betrieb entwickelten Workshops fix ins Ausbildungsprogramm übernommen werden. Dabei werden auch die jungen Männer im Betrieb miteingebunden und hinsichtlich gendersensibler Kommunikation und Handeln geschult.
HR-Verantwortliche Katharina Halmer erzählte, dass das Projekt auch ihr eigenes Bewusstsein geschärft habe: „Ich habe zehn Jahre lang Unisex-Jacken getragen, ohne zu fragen, ob es auch einen Damenschnitt gibt.“
Abschließende Stimmen
Evita Pessenhoffer (ÖGB) würdigte das Projekt als „äußerst wertvoll“ und betonte, wie sehr sie sich ein vergleichbares Angebot in ihrer eigenen jungen Berufslaufbahn gewünscht hätte.
Sabrina Sammwald (Frau in der Wirtschaft Steyr Stadt, Mercedes Benz Vazansky) unterstrich die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung und berichtete über ihre eigenen Erfahrungen in einer männerdominierten Branche.
Weiterführende Hinweise
Das TECH.GIRLS Qualitätssiegel steht allen Betrieben offen, die ihre Ausbildungsqualität geschlechtergerecht weiterentwickeln möchten. Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Frauenstiftung:
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Foto frei, © Peter Kainrath