Steyr - Musterregion für Nachhaltigkeit

10.03.21 - 03:46
Nachhaltige Region
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Für das Auffinden von nachhaltig wirksamen Innovationen kann es hilfreich sein, zunächst die nicht zukunftsfähigen und somit unvernünftigen Innovationsideen zu erfassen und auszuklammern.
Beispiel: Anstelle der Illusion, mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen den bestehenden Problemen durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) - wie Landschaftsverbrauch, Bodenversiegelung, Verschwendung von Ressourcen und Zerschneidung von Wohngebieten und Landschaften durch weiteren Straßenbau - nachzujagen, ist vor allem die Sinnigkeit heutiger Verkehrskonzepte zu überdenken,
https://con-labour.at/wp-content/uploads/2020/11/Brosch%C3%BCre-Abschied-vom-Auto.pdf
In diesem Sinne bieten sich für die Region Steyr drei zukunftsfähige Ansätze an:

1. Vorschlag: Multimodale Verkehrsregion Steyr.
Umsetzung eines verkehrsmittel-übergreifenden Systems für den Personen- und Güterverkehr mit kurzen Umsteige-/Umladungszeiten. Intergration von Fußgänger-, Fahrrad-, öffentlicher Personen-Nahverkehr und Autoverkehr (an letzter Stelle, wo es nicht anders geht). Dieses unter größeren Umbauten und mit den Methoden der Digitalisierung lösbare, sehr anspruchsvolle logistische Projekt würde gewiss große überregionale Aufmerksamkeit auf sich ziehen: "Steyr als innovative Musterreigion für zukünftige Mobilitätsformen". Beschäftigungspolitisch ein lohnender Ansatz:
- Erfordert erhebliche Kapazität an qualifizierten Fachleuten zur logistischen Planung und Umsetzung.
- Der Betrieb der Multimodalen Verkehrsregion bietet viele neue Arbeitsplätze.
Anm.: In Österreich bietet der öffentlichen Verkehr dzt. das Doppelte an Arbeitsplätzen an als die Fahrzeugindustrie.

2. Vorschlag: Rückkehr der autofreundlichen- zur menschenfreundlichen Stadt.
Diese Überwindung von planerischen Paradigmen aus dem letzten Jahrhundert bedingt Bereitschaft und Mut für umfassende stadtplanerische Eingriffe:
- Zurückdrängen des derzeit noch allgegenwärtigen MIV durch Rückbau von innerstädtischen Autopisten,
- Einrichtung von Begegnungszonen,
- Förderung des Fußgänger- und Radverkehrs des öffentlichen Personen-Nahverkehrs,
- Attraktivierung des innerstädtischen Wohn- und Geschäftsbereichs durch Einschränkung der Einkaufszentren an der Peripherie.
"Steyr als lebenswerte und zukunftsfitte Kleinstadt" - überregionales Interesse und Aufmerksamkeit wären uns sicher.

3. Vorschlag: Steyr - die Musterregion für nachhaltigen Tourismus.
Die Tourismuswirtschaft bildet mit Abstand die größte Industrie der Welt, siehe
M. d'Ernamo: Die Welt im Selfie. Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters. Verlag Suhrkamp 2018.
Energie- und ressourcenfressende Fernreisen werden zugunsten von nachhaltigen Urlaubs- und Reiseformen zurücktreten müssen, wenn man die Forderung nach Nachhaltigkeit ernst nimmt. Hier tun sich für die Region Steyr auf Grund ihrer idealen Lage und Attraktivität (und unter der Voraussetzung der Umsetzung des 1. und 2. Vorschlags, siehe oben) große Chancen auf. Die Musterregion für sanften Tourismus verbindet dann Altstadtkultur mit dem Voralpen-Ambiente des Enns- und Steyrtals, Kulturlandschaften, regionale Bewirtung und vieles anderes mehr.
Industrie "der rauchenden Schlote"? Langstreckenflüge mit Kreuzfahrt? Das war einmal.

Über den Author
Wolfgang Hirschberg
Dabei seit: 10.03.21

HTL für Maschinenbau in Steyr, Studium Maschinenbau an der Uni Stuttgart, Promotion an der TU Graz. Industrielle, selbständige und universitäre Tätigkeiten. Seit der Pensionierung Hinwendung zu Fragen der zukünftigen Mobilität.

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Kommentare

Robert Peischl
Geschrieben am 11. März, 2021 um 14:16

Eine Musterregion würde ich sehr unterstützen 👍

Alexander Möslinger-Neundlinger
Geschrieben am 19. März, 2021 um 12:03

Super Idee. Vielleicht noch als Ergänzung: unbedingt auch die einzelnen Stadteile/Zonen mit berücksichtigen (Münichholz, Ennsleite, usw.) - somit wird die Stadt "inklusiver" und die Vorschläge wahrscheinlich von einem größeren Teil der Einwohner*innen mitgetragen. Vor allem für Vorschlag 1 und 2 relevant.